Grand Canyons

Melanie Cary

Es ist schwer, die schönste Woche meines Lebens in Worte zu fassen.

Nicht ganz sicher, was uns erwarten würde, fuhren wir voller Vorfreude vom Flughafen zur Farm in Kjóastaðir, wo die Tour begann. Jeder versuchte sich vorzustellen, wie das Abenteuer wohl aussehen würde, das uns bevorstand. Wir wurden von Sigg und dem Rest des Riding Iceland Teams begrüßt und kurz nachdem jeder seinen Willkommenssnack verdaut hatte, waren schon neue Freundschaften entstanden und die Vorfreude stieg stündlich.

Die kommenden Tage waren so spannend und belebend. Islandpferde zu reiten ist das absolute Non-plus-ultra des Reitsports. Die Pferde sind ein perfekter Mix aus Schönheit, Kraft und ihre einzigartige Gangart Tölt erlaubt es dem Reiter, sich stundenlang im Sattel wohl zu fühlen. Vor der Tour war es noch schwer vorstellbar, bis zu 8 Stunden im Sattel zu verbringen und nur so durch die Landschaft zu fliegen, aber diese Pferde sind einfach unglaublich. Jeder Reiter fand bald seinen Liebling in der Herden. Unsere Tour führte uns um die Kerlingarfjöll-Berge herum, die Aussichten auf die wechselnden Landschaften war spektakulär; Gletscher, Berge, Wasserfälle, Schluchten, jede Sicht atemberaubender als die letzte. Wir ritten durch Heidelandschaften, die mit Wildblumen übersäht war und genossen gleichzeitig einen Blick auf den Schnee der nahegelegenen Bergen, es war einfach unbeschreiblich. Die Herde freilaufender Pferde zu bändigen war eine kleine Herausforderung, aber es machte irrsinnigen Spaß und es war immer etwas los. Besonders spannend war zu beobachten, wie sie rasch einzeln hintereinander aufreihten, um dem Schweif des Vordermannes zu folgen. Wir ritten immer nur ein paar Stunden und sattelten dann auf ausgeruhte Pferde um und bekamen so die Chance auf ein gemütliches Picknick, zum Geschichten erzählen oder nur die Nase in die Sonne zu halten.

Die Nächte hatten ihren ganz eigenen Charme. Siggi verwandelte die einfachsten Unterkünfte in 5-Sterne Hotels, kochte wie ein Weltmeister und er und seine Söhne sorgten für die musikalische Untermalung des Abends. Man würde denken, dass in einer Hütte, die ohne jegliche Elektrizität auskommt und nur mit einem Bunsenbrenner ausgestattet ist, das Kochen am Abend höchstens zur Lebenserhaltung dienen könnte. Aber die Menüs waren einsame spitze, wir aßen alle regionalen Köstlichkeiten wie Lamm, Lachs, Isländische Langustinen, Papageientaucher und natürlich kosteten alle den berühmten isländischen Haifisch. Nach dem Essen zückten wir die Gesangsbücher mit Klassikern, die wirklich jeder kennt. Siggi und seine Familie sind allesamt sehr musikalisch und wir sangen uns bei unseren Lieblingen wie den Beatles die Stimmbänder wund. Hin und wieder stand die Stimmung nach alten Isländischen Volksliedern und unsere Guides mutierten zu einem beeindruckenden A-capella Chor.

Ein unerwarteter Bonus dieser Tour waren die vielen engen Freundschaften, die hier entstanden. Es ist beeindruckend, wie nah man sich einander fühlt, nachdem man diese Erlebnisse miteinander geteilt hat. Deshalb war es vielmehr als nur eine Reittour. Siggi hat dies zu dem Erlebnis meines Lebens gemacht. Jetzt bin ich zurück in den Staaten, ich vermisse die Schlichtheit und heitere Ruhe eines jeden Tages in den Isländischen Bergen und zähle die Tage bis zur Tour im kommenden Sommer.